Hinführung 23. Sonntag im Jahreskreis


Wie gelingt Versöhnung in der Gemeinschaft? Im Sonntagsevangelium (Mt 18,15–20) zeigt Jesus Wege zur Konfliktlösung auf und ermutigt zu Vergebung und Verständigung. Zugleich verheißt er seiner Gemeinde seine besondere Gegenwart.

 

Hinführung zum Evangelium des 23. Sonntags im Jahreskreis am 6. September 2026: Mt 18,15-20

 

Im Matthäusevangelium wird Jesus immer wieder als Lehrer und Interpret des Willens Gottes dargestellt. Das zeigen fünf große Reden Jesu: Bergpredigt (Mt 5–7), Aussendungsrede (Mt 10), Gleichnisrede (Mt 13), Gemeinderede (Mt 18) und apokalyptische Ölbergpredigt (Mt 24–25). Das aktuelle Sonntagsevangelium, nämlich Mt 18,15–20, ist ein Abschnitt aus der vierten Rede Jesu, der Gemeinderede. In ihr thematisiert Jesus zuerst seine Option für die Kleinen – für Menschen, die wenig Ansehen und Macht haben, aber ihr ganzes Vertrauen auf Christus setzen; ihr Glaube ist jedoch gefährdet und schutzbedürftig. Weiter geht es in der Gemeinderede – und auch in unserem Textabschnitt – um den Umgang mit dem Bruder oder der Schwester, der oder die „gegen dich sündigt“, und um die Vergebungsbereitschaft.

Jesus erwähnt drei Schritte, die das Potenzial haben, zu Lösungen in solchen Situationen zu kommen:
Der erste Schritt: das Gespräch unter vier Augen (nur mit den am Konflikt Beteiligten).
Der zweite Schritt (falls notwendig): das erweiterte Gespräch mit zwei oder drei Zeugen.
Der dritte Schritt (falls notwendig): das Gespräch in der Gemeindeversammlung (nicht nur mit der Gemeindeleitung!). Wird diesem Schritt nicht gefolgt, gilt der / die Uneinsichtige als „Heide“ und „Zöllner“. Obwohl diese Personen folglich nicht zur Gemeinde gehören, ist Jesus im Evangelium stets um ihre Integration bemüht.

Drei Zusagen Jesu an alle in seinem Namen einmütig Versammelten sind unbegreiflich groß:
(1) Die universale Vollmacht des „Bindens und Lösens“ wird der ganzen Gemeinde zugesprochen und nicht nur der Leitung bzw. Petrus wie in Mt 16,19.
(2) Die Erhörungsgewissheit bei Bitten: „Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten“ (Mt 18,19).
(3) Seine Gegenwart: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

 

Fragen zum Weiterdenken:

  • Wie gehen wir mit Konflikten und Verletzungen in unseren Gemeinden um? Inwieweit folgen wir den von Jesus vorgeschlagenen Schritten?
  • Wo partizipiere ich an Entscheidungen meiner christlichen Gemeinde – an der universalen Vollmacht des „Bindens und Lösens“?
  • Ist es mir bewusst, wie stark die Gemeinschaft und ihr Gebet sind – auch wenn man nur zu zweit oder dritt in seinem Namen versammelt ist? Jesus selbst – Immanuel – Gott mit uns – ist dann gewiss mitten unter uns.

 

Dr. Mira Stare - Pfarrseelsorgerin und -kuratorin, Lehrbeauftrage am Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 05.09.2026

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