Hinführung 19. Sonntag im Jahreskreis


Die Perikope vom 19. Sonntag im Jahreskreis zeigt Jesus als Herrn über das Chaos, dessen Macht sich gerade dort erweist, wo menschliche Kraft endet. Gleichzeitig wird Glaube nicht als perfekte Zuversicht, sondern als Vertrauen trotz Zweifel greifbar: ein Schritt auf sein Wort hin, selbst ins Unmögliche.

 

Hinführung zum Evangelium des 19. Sonntags im Jahreskreis am 9. August 2026: Mt 14,22-33

 

Die Erzählung vom Seewandel schließt direkt an die Speisung der Fünftausend an. Während Jesus sich zum Gebet auf den Berg zurückzieht (Vers 23), schickt er die Jünger voraus auf den See Genezareth (Vers 22). Die nächtliche Überfahrt im Gegenwind wird zur existentiellen Belastungsprobe (Vers 24). Der stürmische See symbolisiert Chaos und Zweifel und das Schreiten über das Meer ist ein exklusives Handeln Gottes (Vers 26). Indem Jesus auf dem Wasser geht, offenbart er seine göttliche Macht.

Die Notlage der Jünger wird durch die „vierte Nachtwache“ (Vers 25) akzentuiert: Das damalige Zeitmaß für die Stunden zwischen 3 und 6 Uhr morgens steht für die Phase tiefster Dunkelheit und Erschöpfung. Ein Hinweis, dass Gott oft nicht zum von uns erhofften Zeitpunkt kommt, aber eingreift, wenn unsere Kräfte am Ende sind. Als die Jünger ihn zunächst für ein Gespenst halten (Vers 26), antwortet Jesus mit dem Zuspruch: „Ich bin es; fürchtet euch nicht!“ (Vers 27), eine typische Gottesrede im Alten Testament von Gott an sein Volk (vgl. Jesaja 43,1f.).

Daraufhin wagt Petrus auf Jesu einziges Wort „Komm!“, den Schritt aus dem Boot (Vers 29). „Komm“ ist ein kraftvoller und für das Neue Testament typischen Nachfolgeruf Jesu. Petrus‘ Erfahrung veranschaulicht das Wesen des Glaubens: Nachfolge heißt, trotz realistischer Gefahren den Blick auf das Wesentliche nicht zu verlieren. Als Petrus sich vom Wind ablenken lässt, beginnt er zu sinken und ruft: „Herr, rette mich!“ (Vers 30). Bezeichnend ist die Handlungsabfolge Jesu: Zuerst streckt er rettend die Hand aus, danach stellt er die Glaubensfrage (Vers 31). Die Bezeichnung als „Kleingläubiger“ ist dabei kein Urteil über einen Totalverlust des Glaubens, sondern beschreibt ein schwankendes Vertrauen. Das Geschehen mündet schließlich im ersten kollektiven Bekenntnis der Jünger zu Jesus als Gottes Sohn (Vers 33).

Die Perikope zeigt Jesus als Herrn über das Chaos, dessen Macht sich gerade dort erweist, wo menschliche Kraft endet. Gleichzeitig wird Glaube nicht als perfekte Zuversicht, sondern als Vertrauen trotz Zweifel greifbar: ein Schritt auf sein Wort hin, selbst ins Unmögliche.

 

Fragen zum Weiterdenken:

  1. Was sind für dich aktuell „stürmische Winde“, die deinen Glauben verunsichern?
  2. Woran merkst du, dass dein Blick von Jesus abgelenkt wird?
  3. Wo fordert dich Jesus heraus, „ins kalte Wasser zu springen“?

 

Roman J. Sillaber, MA BA - Leitung Katholische Jugend Diözese Innsbruck

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 03.08.2026

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