"Die göttlichen Worte wachsen, indem sie gelesen werden." - Papst Gregor der Große
Nehmen wir mal an, ich käme aus dem Gottesdienst und ich wäre ein anderer Mensch. Weniger ängstlich, irgendwie beflügelter und von einer Schaffenskraft, die ihresgleichen sucht. Der Alltag erwiese sich als etwas, das nicht wie der Volksmund sagt „die Seele auffrisst“, sondern der durch das, was mir am Sonntag passierte, eine neue Färbung bekäme. Mir eine sinnvolle Aufgabe verschaffte, mir Lebensfreude gäbe und dadurch einen positiven Kreislauf in Gang setzte. Ich erfreue und werde erfreut, ich bestärke und werde bestärkt. Ich warte nicht, bis ich endlich geliebt werde, sondern beginne selbst, zu lieben.
Was muss da in dieser hl. Messe passiert sein?
Etwas von dem, was in diesem Gottesdienst vermittelt wurde, hat den Anstoß gegeben. Das Wort, das lebendige Wort, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gesagt, ist auf aufnahmefähigen Boden gefallen. 2000 Jahre alte Worte aus einer anderen Zeit, aus einem völlig anderen Kulturkreis werden vorgetragen, erzählen von einer Welt, die mir fremd und gelichzeitig vertraut erscheint, weil so oft vernommen. Dieses Mal erschließt sich mir Neues. Die Stimme vom Ambo, wohl gesetzt und eindringlich - jedes Wort verhallt mit Nachdruck - lässt Bilder entstehen und zeugt von etwas, das mehr ist als nur Gesprochenes – es zeugt von Wahrheit. Es berührt und tröstet. Gibt Antworten. Dann erschließt der Priester dieses Wort, er erläutert den Sinn, deckt Widersprüche auf und bringt das Vernommene in einen Bezug zu meinem eigenen Leben – und ich erkenne, dass das was er sagt, was die Schrift sagt, eine unglaubliche Wahrheit und einen Wert besitzt, der diese 2000 Jahre schadlos überdauert hat. Nichts davon ist banal. Sondern weise. Darauf habe ich gewartet, seit langem. Und ich nehme mir vor, etwas davon umzusetzen in der neuen Woche. Bereits morgen fange ich damit an. Ja, morgen…
Was also muss da in einem Gottesdienst geschehen, damit etwas geschieht?
Dazu braucht es wohl Menschen, die ihre Sache verstehen – die den Gottesdienst würdevoll und vorbereitet gestalten. Da braucht es den Ministranten zur Unterstützung des Priesters, der aktiv teilnimmt am Geschehen, und selbst auch um dieses ehrenvolle Amt weiß. Es braucht den Lektor, der nicht bloße Informationen weitergibt, der sich vorbereitet und das Wort Gottes selbst bis zu einem gewissen Grade mitträgt und versteht, seine Stimme und seine Persönlichkeit zum Werkzeug macht, damit Gottes Wort in uns Widerhall findet, uns tröstet und anspornt. „Selig, wer die Worte der Prophetie vorliest!“, steht in der Offenbarung. Es braucht den Priester, der die Brücke baut von einer längst vergangen, überholt geglaubten Zeit und das Gold von der Schlacke befreit, bis es rotglühend vor unseren Augen liegt, und wir dessen Wert erkennen können. Für uns und unser Leben. Und es braucht uns, die wir nicht nur drinsitzen in der Bank und wohlfeil konsumieren, sondern aktiv teilnehmen (participatio actuosa) an diesem Geschehen, das uns Feier und Gastmahl, Lehre und Therapie gleichzeitig sein kann.
Nehmen wir mal an, ein solcher Gottesdienst fände kommenden Sonntag statt. Und alle gingen hin.
Bernhard Lang
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
Kategorie: Blog, Missionarische Pastoral
Datum: 18.05.2026
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