Hinführung Ostersonntag


Das Osterevangelium berichtet vom Anfang des Osterglaubens. Dieser beginnt in der Begegnung mit Leere. Doch gerade dort, wo wir nichts mehr festhalten können, beginnt oft etwas Neues: die Begegnung mit dem Auferstandenen.

 

Hinführung zum Evangelium des Ostersonntags am 5. April 2026: Joh 20,1-9

Am ersten Tag der Woche stehen wir mit den Jüngern am Grab Jesu. Es ist der Moment zwischen Dunkelheit und Licht, zwischen Trauer und Hoffnung. Was sie dort erleben, ist kein fertiger Glaube, sondern ein tastendes Suchen. Auch wir kennen solche Momente, in denen wir nicht verstehen, was Gott tut. Das heutige Evangelium nimmt uns mit auf diesen Weg – vom leeren Grab hin zu einem Glauben, der langsam im Herzen wächst.

Das Evangelium Joh 20,1-9 führt uns an den Anfang des Osterglaubens – und zugleich in eine Erfahrung, die jeder Mensch kennt: die Begegnung mit Leere, mit Unsicherheit, mit offenen Fragen.

Maria von Magdala kommt „früh, als es noch dunkel war“ zum Grab. Diese Dunkelheit ist nicht nur eine Tageszeit, sondern spiegelt auch ihr Inneres: Trauer, Verwirrung, Hoffnungslosigkeit. Sie sieht den weggewälzten Stein – ein Zeichen, dass etwas geschehen ist, das sie nicht einordnen kann.

Der Glaube beginnt oft nicht im Licht, sondern in der Dunkelheit. Viele Menschen kennen solche Momente – Zeiten, in denen Gott fern scheint, in denen Sicherheiten wegbrechen und Antworten fehlen. Doch Maria geht trotzdem zum Grab. Sie bleibt nicht stehen, sie wendet sich nicht ab. Und genau das ist entscheidend: nicht alles verstehen zu müssen, sondern den Weg zu gehen, auch mit einem schweren Herzen.

Für unser geistliches Leben bedeutet das: Auch wenn wir nichts spüren, auch wenn Zweifel oder Trauer da sind, lohnt es sich, „zum Grab zu gehen“ – das heißt: im Gebet zu bleiben, die Nähe Gottes zu suchen, die kleinen Schritte der Treue zu gehen. Denn oft beginnt Gottes neues Handeln genau dort, wo wir nur Dunkelheit sehen.

Dann treten Petrus und „der andere Jünger, den Jesus liebte“ auf. Oft wird dieser als Johannes verstanden, als der Jünger der Liebe. Beide laufen zum Grab – ein Bild für die Dynamik des Glaubens: Der Mensch bleibt nicht stehen, wenn ihn die Sehnsucht nach Wahrheit bewegt.

Im Grab finden sie die Leinentücher ordentlich zusammengelegt – kein Durcheinander, sondern eine stille, fast beruhigende Ordnung. Es ist, als würde Gott hier ganz leise handeln, ohne Lärm, aber spürbar. Auch in unserem Leben zeigt er sich oft so: nicht spektakulär, sondern in kleinen Momenten, in denen plötzlich Frieden ins Herz kommt.

Der „andere Jünger“ sieht – und glaubt. Noch bevor alles verstanden ist, wächst in ihm Vertrauen. Der Glaube beginnt nicht damit, dass wir alles verstehen, sondern mit einem inneren Sehen des Herzens.

Zugleich heißt es: „Sie verstanden noch nicht die Schrift.“ Der Auferstehungsglaube ist ein Weg. Gott führt den Menschen Schritt für Schritt vom äußeren Sehen zum inneren Verstehen.

Dieses Evangelium lädt uns ein, unsere eigenen „leeren Gräber“ anzuschauen – Erfahrungen von Verlust, Zweifel, Dunkelheit – und darin die leise Spur Gottes zu entdecken. Denn gerade dort, wo wir nichts mehr festhalten können, beginnt oft etwas Neues: die Begegnung mit dem Auferstandenen.

Fragen zum Weiterdenken:

  • Wo erlebe ich in meinem Leben „Leere“ oder Dunkelheit – und kann ich darin vielleicht schon Spuren von neuem Leben entdecken?
  • Was hilft mir, wie der „Jünger, den Jesus liebte“, auch ohne alles zu verstehen zu vertrauen und zu glauben?
  • Wie kann ich selbst für andere zum Zeichen der Hoffnung werden – besonders für Menschen, die gerade „am Grab stehen“?

 

Mag. Roman Ptasiuk – Vikar im Seelsorgeraum Westliches Mittelgebirge

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 30.03.2026

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