Hinführung Fest des Weihetages der Lateranbasilika, 09.11.2025, Joh 2,13-22.
Claudia Hubert, Referentin Berufungs- und Hochschulpastoral, ZUKUNFT.glauben
„Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“
Jesus – gewalttätig?
Es ist die einzige Szene im Evangelium, in der wir ihn so sehen: mit einer Geißel in der Hand, zornig, laut, entschlossen. Er kommt wie jedes Jahr als Pilger zum Passafest nach Jerusalem, betritt den Tempel – das Herz des Glaubens – und da packt ihn der Zorn. Er sieht das geschäftige Treiben, die Händler, die Geldwechsler, das Feilschen mitten im Heiligtum. Da wirft er die Tische um, treibt sie hinaus und ruft: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ War Jesus also doch ein Revolutionär, ein Gewalttätiger? Hat er hier nicht gegen sein eigenes Gebot der Gewaltlosigkeit verstoßen?
Vorsicht! Schauen wir genau hin. Was Jesus tat, war keine Gewalttat, sondern ein Zeichen.
Hätte er wirklich zu einem Aufstand aufgerufen, wäre die römische Armee sofort eingeschritten – Jerusalem war zur Passahzeit ein Pulverfass. Aber kein Blut floss, niemand wurde verletzt. Seine „Waffe“ war eine Geißel aus Stricken – mehr Symbol als Schlagstock. Seine Tat war kein Anfang einer Revolution mit Schwertern, sondern eine Revolution des Herzens.
Denn es ging Jesus nicht nur um den Tempel aus Stein. Er meinte den Tempel seines Leibes, wie Johannes erklärt. Mit ihm beginnt eine neue Sicht: Gott wohnt nicht mehr in Mauern, sondern im Menschen. Der wahre Tempel ist jeder Mensch – mit seiner Würde, seiner Einzigartigkeit, seinem Leben.
Darum gilt Jesu Zorn der Entheiligung. Er richtet sich gegen jede Form von Religion, die zum Geschäft wird, gegen jeden Glauben, der sich kaufen lässt, gegen jede Haltung, die aus Gottes Haus eine Markthalle macht.
Und diese Mahnung bleibt aktuell. Auch heute droht das Heilige – das Menschliche, das Würdevolle – zur Ware zu werden: Wenn Menschen nach ihrem Nutzen beurteilt werden, wenn Körper, Arbeit, ja selbst Beziehungen zum Geschäft werden, wenn wir in der Kirche mehr auf Zahlen als auf den Glauben schauen. Da ruft uns Jesus: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“
Vielleicht ist das die eigentliche Revolution Jesu: die Ehrfurcht vor dem Menschen, der selbst Tempel Gottes ist, seine Würde wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Und vielleicht braucht es auch in uns ab und zu diesen heiligen Zorn, damit wir aufräumen in unseren Herzen – wo Glaube zur Gewohnheit, Liebe zur Berechnung, Hoffnung zur Nebensache geworden ist.
Jesus reinigt – nicht um zu zerstören, sondern um zu heilen. Er will, dass unser Leben wieder ein Raum wird, in dem Gott wohnen kann. „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ – das bleibt seine Mahnung, aber auch seine Verheißung: Gott wohnt mitten unter uns – in jedem Menschen, heilig und unkäuflich.
Fragen zum Weiterdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 03.11.2025
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