Hinführung zum 18. Sonntag im Jahreskreis, 03.08.2025, Lk 12,13-21
Mag.a Carina MATHOY, Religionslehrerin an der HTL Imst
In Gesprächen mit Jugendlichen, aber auch mit Erwachsenen, taucht oft der Wunsch auf, „einfach abgesichert zu sein“. Nicht mehr ständig kämpfen müssen, nicht in Sorge leben, sondern irgendwann an dem Punkt ankommen, wo man sagen kann: Jetzt ist es genug. Jetzt kann ich mich zurücklehnen. Jetzt kann ich endlich leben!
Dieser Wunsch ist zutiefst menschlich – und zugleich ist er das zentrale Thema der heutigen Evangelienstelle. Jesus erzählt von einem Mann, der erfolgreich ist, wirtschaftlich vorausschauend, vielleicht sogar beneidenswert. Seine Ernte ist so groß, dass er neue Speicher bauen muss. Er trifft kluge Entscheidungen, sorgt vor und sagt zu sich: „Nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freu dich des Lebens!“ (Lk 12,19) Doch mitten in diese Zukunftsvision hinein spricht Gott: „Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast?“ (Lk 12,20) Diese Antwort sitzt – war die ganze Mühe und Arbeit umsonst?
Es geht nicht um eine pauschale Kritik an Reichtum oder Besitz, sondern um eine grundlegende Frage: Woran orientiere ich mein Leben? Was ist mein Fundament? Und worin liegt der eigentliche Sinn meiner Existenz?
Der Fehler des reichen Mannes liegt nicht im Besitz an sich, sondern darin, dass er nur auf sich selbst baut. Im Zentrum seiner Gedanken steht das „Ich“ – SEIN Besitz, SEINE Zukunft, SEINE Sicherheit. Gott, Mitmenschen, Beziehungen kommen nicht vor. Das Evangelium nennt das „reich sein für sich selbst“, statt „reich sein vor Gott“.
Was aber heißt es, „reich zu sein vor Gott“? Es ist eine Haltung, die erkennt: Mein Leben ist nicht mein Besitz, sondern eine Gabe, ein Geschenk. Reichtum vor Gott bedeutet nicht, etwas zu leisten oder anzuhäufen, sondern sich von Gott beschenken zu lassen – mit Vertrauen, mit Hoffnung, mit Liebe. Wer so lebt, lebt aus einer anderen Quelle. Was uns vor Gott groß macht, ist nicht das, was wir besitzen, sondern das, was wir sind und wie viel wir lieben.
Jesus lädt uns in diesem Gleichnis nicht zur Angst ein, sondern zur Wachheit. Er stellt uns die radikale Frage, wie wir leben wollen – und wem wir unser Leben letztlich anvertrauen. Sein Ruf ist kein moralischer Appell, sondern eine Einladung zum Umdenken: vom Haben zum Sein, vom Misstrauen zur Hingabe, vom Absichern zum Vertrauen.
Fragen zum Weiterdenken:
Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der
Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol
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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C
Datum: 28.07.2025
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