Hinführung 17. Sonntag im Jahreskreis


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierte gibt es hier jede Woche eine kurze Erklärung des Sonntagsevangeliums mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung 17. Sonntag im Jahreskreis, 27.07. 2025, Lk 11, 1-13
Mag. Bernhard Kathrein-Wieser BA BA MA, Pastoralassistent im SR Seelsorgeraum Westliches Mittelgebirge

Das Vaterunser ist eines der zentralen Gebete des christlichen Glaubens und eine der bedeutendsten Überlieferungen aus dem Neuen Testament. In Lukas 11,1-13 wird es von Jesus als Antwort auf die Bitte der Jünger gelehrt: „Herr, lehre uns beten." Diese Bitte zeigt, dass das Gebet nicht einfach selbstverständlich ist, sondern gelernt werden will – eine Haltung der Offenheit und des Wachsens im Glauben. Die Jünger, die Jesus bereits auf seinem Weg begleiten, spüren, dass seine Verbindung zu Gott eine besondere Tiefe hat. Sie möchten lernen, in dieser Weise mit Gott zu sprechen, nicht nur aus Gewohnheit oder Tradition, sondern aus einer echten Beziehung heraus.

Das lukanische Überlieferung ist kürzer als die Version in Matthäus 6,9-13. Während bei Matthäus eine ausführlichere Form mit sieben Bitten überliefert ist, beschränkt sich Lukas auf eine kompakte Fassung mit fünf Bitten. Besonders betont werden drei zentrale Anliegen: die Heiligung des Namens Gottes, die Bitte um das tägliche Brot und die Bitte um Vergebung. Diese drei Bitten stellen eine Verbindung zwischen Gott, dem Menschen und dem täglichen Leben her. Das Gebet macht deutlich, dass Beten nicht bedeutet, sich aus der Welt zurückzuziehen, sondern dass es eine Ausrichtung auf Gott mitten im Alltag ist. Die Bitte um das tägliche Brot verweist auf die grundlegenden Bedürfnisse des Menschen, während die Vergebungsbitte zeigt, dass das Leben in Gemeinschaft von gegenseitiger Vergebung und Barmherzigkeit geprägt sein soll.

Anschließend erzählt Jesus zwei Gleichnisse, die verdeutlichen, wie das Gebet verstanden werden kann. Das erste Gleichnis erzählt von einem Mann, der mitten in der Nacht zu seinem Freund geht, um Brot zu erbitten. Obwohl dieser bereits schläft, wird er ihm schließlich aus Beharrlichkeit herausgeben, worum er bittet. Dieses Bild macht deutlich, dass Gebet nicht nur ein einmaliges Sprechen ist, sondern ein anhaltendes Ringen und Dranbleiben. Im zweiten Gleichnis vergleicht Jesus Gott mit einem liebenden Vater: „Welcher Vater unter euch, den sein Sohn um einen Fisch bittet, wird ihm statt des Fisches eine Schlange geben?" Damit betont Jesus, dass Gott seinen Kindern nicht irgendetwas gibt, sondern das, was wirklich gut für sie ist.

Besonders auffällig ist die Wendung: „Wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!" Hier wird deutlich, dass Gottes größtes Geschenk nicht nur materielle Güter sind, sondern seine Gegenwart und sein Geist. Das Gebet ist somit nicht nur eine Möglichkeit, Gott um Hilfe zu bitten, sondern ein Weg, um sich für seine Führung zu öffnen. Wer betet, bleibt mit Gott verbunden und kann im Vertrauen darauf leben, dass Gott das gibt, was für den Menschen wirklich gut ist – auch wenn es manchmal anders aussieht, als wir es uns wünschen.

Fragen zum Text:

  1. Wie erlebe ich das Vaterunser – als Routine oder als tiefe Glaubenserfahrung?
  2. Wo spüre ich in meinem Leben, dass Gott mir gibt, was ich wirklich brauche?
  3. Welche Bedeutung hat der Heilige Geist für mein Gebet?

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

Hier als PDF

 

 

Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 21.07.2025

Teilen

Anschrift

Diözese Innsbruck
   ZUKUNFT.glauben
Riedgasse 9-11
  A-6020 Innsbruck
 
Öffnungszeiten Büro
 
Mo-Di 08:30 - 11:30 Uhr
Do 08:30 - 11:30 Uhr

zukunft.glauben@dibk.at
Tel.: +43 512 2230 9603 

Instagram

 

Infoscreen

Suchen ...

... und finden

GEISTreich - Diözese Innsbruck    
ImpressumLinksammlungDatenschutzKontakt

powered by webEdition CMS