Vierter Sonntag im Jahreskreis


Für die Weggemeinschaften und alle Interessierten gibt es hier jede Woche kurze Gedanken zum Sonntagsevangelium mit Fragen zum Weiterdenken.

Hinführung zum Evangelium des vierten Sonntags im Jahreskreis am 01. Februar 2026: Mt 5,1-12

Als Herzstück der Reich-Gottes-Verkündigung gilt seit jeher die Bergpredigt, weil Jesus hier das Eigentliche seiner Botschaft zusammenfasst. Das spezifisch Christliche ist also nicht in den zehn Geboten enthalten, sondern das unterscheidend Christliche finden wir in der Bergpredigt, die mit den Seligpreisungen beginnt.

Die Bergpredigt ist eine Provokation, denn sie fasziniert und wird abgelehnt: Kann man so leben? Ist es nicht zynisch, wenn man „selig“, also „gratuliere“, zu den Armen, Weinenden und Verfolgten sagt?

Eine der oft missverstandenen Seligpreisungen lautet: „Selig, die ein reines Herz haben“ (Mt 5,8). Im biblischen Verständnis ist das Herz das Zentrum des Menschen, also der Ort des Wollens, des Planens und der tiefsten Absichten. Das Herz ist die Mitte der Person, nicht der Kopf. Es ist die Stelle, wo der Mensch ganz er selber ist. Hier, ganz tief drinnen, entstehen unsere Haltungen. Hier, in der Mitte seiner Person soll der Mensch also rein sein. Ein „reines“ Herz vor Gott hat, wer frei ist von der Anhänglichkeit an alles, was wir vergöttern und zum Mittelpunkt unseres Lebens machen. Im Sinne Jesu bedeutet es noch mehr: Der Mensch mit einem reinen Herzen ist vor Gott restlos offen; er ist wie ein aufgeschlagenes Buch. Er macht Gott nichts vor. Er spielt vor Gott kein Theater. Wenn er betet, dann will er schlicht vor Gott sein, sonst nichts. Eine solche Herzensreinheit färbt auch auf unsere Menschenbeziehung ab: Das „Schauspielern“ voreinander, das Masken tragen, die Selbstinszenierung – alles, was die Atmosphäre zwischen den Menschen so vergiftet, ist mit der Herzensreinheit nicht vereinbar. Ungetrübte Herzensreinheit finden wir bei Kindern, weil sie noch nicht „verformt“ worden sind von einer Gesellschaft, in der der Ehrliche der Dumme ist.

Wenn Jesus die Herzensreinheit hervorhebt, will er uns erinnern: Nicht das Essen von Schweinefleisch macht den Menschen unrein, sondern die bösen Gedanken, die aus dem Herzen kommen und zur Tat werden (vgl. Mt 15,11).

Fragen zum Weiterdenken:

  • Jesus verlegt die Reinheit radikal von außen nach innen. Wann kommen aus meinem Herzen böse Gedanken?
  • Bin ich bereit an der vergifteten Atmosphäre zwischen mir und meinen Mitmenschen zu arbeiten?
  • Kann ich mich im Spiegel als der anschauen, der ich wirklich bin?

 

Mag. Marion Prieler, MA - Pfarrseelsorgerin Seelsorgeraum St. Pius X. - Rum - NeuRum

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr C

Datum: 26.01.2026

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