Hinführung 29. Sonntag im Jahreskreis


Im Evangelium wird Jesus gefragt, ob man dem Kaiser Steuern zahlen darf.

 

Hinführung zum Evangelium des 28. Sonntags im Jahreskreis am 4. Oktober 2026: Mt 22,15-22

 

  • Die Fangfrage: Im Evangelium wird Jesus gefragt, ob man dem Kaiser Steuern zahlen darf. Die Frage ist eine Falle: Wer die Steuer ablehnt, gerät in Konflikt mit Rom; wer sie befürwortet, stellt sich gegen die Gegner der Besatzung. Jesus lässt sich nicht in dieses Entweder-oder drängen.

 

  • Die Münze: Jesus lässt sich einen Denar zeigen und fragt, wessen Bild darauf zu sehen ist. Die Antwort lautet: des Kaisers. Darauf sagt er: „Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Jesus erkennt an, dass ein Gemeinwesen Regeln, Steuern und politische Verantwortung braucht. Zugleich macht er deutlich: Die Ansprüche weltlicher Macht haben Grenzen. Nicht alles gehört dem Kaiser.

 

  • Jesu Kritik: die Vermischung von weltlicher Macht und Religion: Die römische Münze zeigt den Kaiser nicht nur als politischen Herrscher, sondern verbindet ihn durch göttliche Titel und religiöse Würde mit dem Göttlichen. Die Inschriften lauten „Tiberius, Kaiser, Sohn des göttlichen Augustus, Erhabener“ und „Pontifex Maximus“, Oberster Priester. Jesus macht damit ein grundlegendes Problem sichtbar: Weltliche Herrschaft darf keinen göttlichen Anspruch erheben. Der Kaiser kann für Ordnung und Frieden sorgen, ist aber nicht Gott und darf nicht wie Gott verehrt werden. Kein Herrscher und kein politisches System kann die tiefste Sehnsucht des Menschen nach Heil, unzerstörbarem Leben angesichts des Todes und letzter Geborgenheit erfüllen. Das bleibt Gott vorbehalten.

 

  • Das Gottvertrauen: Jesus vertraut Gott bis in seinen Leidensweg und seinen Tod hinein. Seine Auferweckung zeigt, dass dieses Vertrauen nicht ins Leere geht. Aus dem Glauben erwächst die Kraft, Verantwortung zu übernehmen und sich für Frieden, Gerechtigkeit sowie arme und notleidende Menschen einzusetzen.

 

  • Mystik und Politik: Die Liebe zu Gott und das Engagement für die Welt gehören untrennbar zusammen. Glaube bedeutet nicht, sich aus der Gesellschaft zurückzuziehen, sondern aus dem Vertrauen auf Gott heraus Verantwortung zu übernehmen und sich für andere einzusetzen. Wer in Gott verankert ist, kann sich den Herausforderungen der Welt stellen, ohne sich allein von Besitz, Macht oder dem Bedürfnis nach Sicherheit bestimmen zu lassen, ohne weltliche Macht an Gottes Stelle zu setzen und den Kaiser als Gott zu verehren.

 

Fragen zum Weiterdenken

 

  • Macht und Religion: Wo werden heute Menschen oder politische Systeme überhöht und mit Erwartungen verbunden, die nur Gott erfüllen kann? Wo braucht es eine klare Grenze zwischen weltlicher Macht und göttlichem Anspruch?

 

  • Glaube und Vertrauen: Worauf setze ich meine Hoffnung? Welche Bedeutung haben Geld, Besitz und gesellschaftliche Sicherheit für mich? Wo liegen die Grenzen dieser Sicherheiten?

 

  • Glaube und Verantwortung: Wie prägt mein Vertrauen auf Gott mein Handeln? Wo kann ich mich konkret für Frieden, Gerechtigkeit und Menschen in Not einsetzen? Wie gehören für mich Gebet, Gottesdienst und gesellschaftliches Engagement zusammen?

 

Dr. Mira Stare - Pfarrseelsorgerin und -kuratorin, Senior Scientist am Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie

 

Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der missionarischen Pastoral der

Diözese Innsbruck, www.geistreich.tirol

 

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Kategorie: Hinführung, Lesejahr A

Datum: 15.10.2026

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