Orientierungshilfe Petrus Canisius


Das diözesane Petrus-Canisius-Jahr ist zu Ende, aber am Sonntag, 3. Oktober, hat es noch eine "Zugabe" gegeben. Bischofsvikar Jakob Bürgler hat in der Jesuitenkirche in Wien 1 die Sonntagspredigt gehalten und dabei auf drei entscheidende Grundhaltungen verwiesen: Radikalität, Durchhalten, Mission. Seine Predigt können Sie im Link lesen.

27. Sonntag im Jahreskreis / 3. Oktober 2021
„Petrus Canisius"
Wien / Jesuitenkirche

Mk 10,2-16
2 Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus der Ehe zu entlassen? Damit wollten sie ihn versuchen. 3 Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? 4 Sie sagten: Mose hat gestattet, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. 5 Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. 6 Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie männlich und weiblich erschaffen. 7 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen. 10 Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber. 11 Er antwortete ihnen: Wer seine Frau aus der Ehe entlässt und eine andere heiratet, begeht ihr gegenüber Ehebruch. 12 Und wenn sie ihren Mann aus der Ehe entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht. 14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes. 15 Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

 

Petrus Canisius. Patron der neuen zentraleuropäischen Provinz der Jesuiten. Patron der Diözese Innsbruck. Wir feiern seinen 500. Geburtstag. Ich vermute, dass sich nicht wenige von uns die Frage stellen: Wer ist denn dieser Petrus Canisius? Wenn ich ehrlich bin, war das vor einem guten Jahr auch noch für mich so. Petrus Canisius: In seiner Zeit sicher ein Star. Aber heute? Manche sagen: Ein unbekannter Heiliger. Andere: Ein sperriger Patron. Und wieder andere: Ein Wanderer zwischen Welten. Und dann ist da noch die Frage: Wer ist er für uns heute? Oder: Kann er uns überhaupt noch etwas sagen?
Petrus Canisius hat vor 500 Jahren gelebt. In einer Zeit, die alles andere als angenehm war. Große Umwälzungen, Streit, Bruchlinien quer durch die Gesellschaft haben seine Lebensepoche geprägt. Die Reformation hat Fahrt aufgenommen. Die traditionelle Orientierung und Ordnung wurden in Frage gestellt. Das religiöse Leben lag am Boden. Viele haben gemeint, für die katholische Kirche schlage die letzte Stunde. Eine unglaublich unruhige und aufgepeitschte Zeit.
Und da sehe ich eine Verbindung zu heute. Auch unsere Zeit ist eine unruhige Zeit. Sicher bei weitem nicht so aufgewühlt wie vor 500 Jahren, aber auch heute bricht Gewohntes weg oder trägt nicht mehr. Das Leben verändert sich rasant und wir wis-sen nicht, was kommt. Papst Franziskus hat es einmal so beschrieben: „Wir leben nicht nur in einer Ära des Wandels, also in einer Zeit, in der sich vieles verändert. Sondern: Wir erleben den Wandel einer Ära." Das bedeutet: Etwas ganz Neues ist im Kommen. Die Fundamente sind im Umbruch. Wir bewegen uns auf einem Boden, der gerade tektonische Verschiebungen erlebt.
Das ist wie bei Petrus Canisius. Die Welt hat sich damals neu aufgestellt. Aber: Was tun in einer solchen Zeit? Wo gute Orientierung finden? Was gibt bei allem, was verunsichert und ängstigt, Zuversicht und innere Dynamik? Ich möchte drei Grundhaltungen beschreiben, die Petrus Canisius geprägt haben und die – meiner Meinung nach – auch für heute zentral sind: Radikalität. Durchhalten. Mission.

Radikalität: Bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ich mir gedacht: Dieses Sonntagsevangelium hat gerade noch gefehlt. Die Frage nach der Ehescheidung. Ein heikles Thema. So viele Menschen sind betroffen von zerbrechenden Beziehungen. Wie da die klare und eindeutige Haltung Jesu verkünden als lebensfördernde und heilsame Orientierung – ohne Absturz in Fundamentalismus und Härte?
Ich denke, da gibt es eine Verbindung zu Petrus Canisius. Jesus geht es in seinen Worten um die Rückbindung an den Anfang der Schöpfung, sozusagen an die Wurzel, an die Grundvision, die hinter der Schöpfung Gottes steht. In diesem Sinn ist Jesus radikal, verstanden von „radix" her, also von der „Wurzel" her. Jesus bezieht sich auf die Wurzel, auf den Ursprung, auf die Vision. Und das tut auch Petrus Canisius. Er gibt sich nicht zufrieden mit „leichter Kost", mit verwässerter Anpassung, mit einem lauwarmen Einerlei. Er fordert von sich und von der Kirche eine Besinnung auf die Wurzel. Auf Klarheit. Auf Entschiedenheit.
Und damit ist er ein Orientierungspunkt für heute: Christsein, das nicht – im positiven Sinn – „kernig" ist, gehaltvoll, profiliert, radikal-verwurzelt, wird in der Nebelsuppe der vielen Weltanschauungen untergehen. Es braucht heute wieder mehr Radikalität. Ich mache die Erfahrung: Junge Menschen suchen vor allem Zeugen. Menschen, die ihre Überzeugung mit Überzeugung leben und weitergeben.

Durchhalten: Für mich ist eines der wichtigsten Zeugnisse von Petrus Canisius ein Wort, das er mit 17 Jahren in sein Schulheft geschrieben hat – mit Großbuchstaben! PERSEVERAR! Also: Durchhalten!
Da wird ein Ringen spürbar, und wie sehr auch er auf der Suche war nach der rechten Orientierung, nach dem Sinn seines Lebens, nach dem, was für ihn richtig und entscheidend ist, in unruhigen Zeiten. Perseverar. Durchhalten.
Was hat Petrus Canisius bewogen, so entschieden zu sein? So voller Überzeugung und Tatkraft? So treu? Und das trotz der vielen Enttäuschungen und Rückschläge, die er erlebt hat? Warum hat er nicht aufgegeben, obwohl doch so vieles gegen seine Mühe gesprochen hat? Wie konnte er bei alledem durchhalten und das Vertrauen nicht verlieren?
Ich muss ehrlich sagen: Ich staune über Petrus Canisius. Obwohl wir heute nicht jene Abbrüche erleben wie er, ist es doch so, dass uns die Frage umtreibt, ob die Menschen uns noch brauchen. Ob wir als Glaubensgemeinschaft noch eine Relevanz für das Leben haben. Oder ob wir ein Auslaufmodell sind. Wir stellen uns die gleiche Frage wie er: Wie kann der christliche, der katholische Glaube wieder mehr Bedeutung bekommen im Leben der Menschen?
Das ist eine riesengroße Herausforderung, und verbunden mit der Frage: Wie bei allen Enttäuschungen, Ermüdungserscheinungen, Frustrationserfahrungen, leeren Mühen die Freude nicht verlieren? Wie „dranbleiben", innerlich wach bleiben, durchhalten, die innere Kraft und Dynamik behalten? Mit Petrus Canisius gilt es, die Kunst des Durchhaltens zu lernen.

Mission: Ich weiß: Dieses Wort hat eine schwierige Geschichte. Auch aufgrund von Ausprägungen, die nicht in die Freiheit, sondern in die Unterdrückung geführt haben. Von daher muss man mit dem Wort „Mission" vorsichtig sein. Aber: Die Kirche hat die Aufgabe, Jesu Frohe Botschaft weiterzugeben, sie zu den Menschen zu bringen, überallhin, die Welt damit zu beschenken. Die Jünger und Jüngerinnen Jesu sind Gesendete. Sie haben eine Mission.
Petrus Canisius war ein Mega-Missionar. Er hat unermüdlich, über Jahrzehnte, an unterschiedlichsten Orten in Mitteleuropa den Glauben wieder schmackhaft gemacht, ihm eine neue Bedeutung gegeben, die lebensfördernde und existentielle Kraft des Christentums verkündet. Über 100.000 Kilometer war er unterwegs. Seine ausgelatschten Schuhe werden in der Jesuitenkirche seines Heimatortes Nimwegen als Reliquien verehrt.
Mission hier bei uns wird die Christinnen und Christen der Zukunft deutlich mehr prägen als unsere Vorfahren. Papst Franziskus erinnert daran, dass jemand, der die Liebe Gottes und seine Nähe erfahren hat, gar nicht anders kann, als diesen Schatz weiterzugeben. Das Evangelium aktiv weiterzugeben, vom Glauben zu erzählen, die Menschen zum Christsein einzuladen. Das ist Zukunft. Ein Wort von Madeleine Del-brêl: „Wenn wir in einer atheistischen Umwelt leben, stellt sie uns vor die Wahl: zu missionieren oder zu demissionieren."

Petrus Canisius. Wer ist er? Er ist Motor, Turbo für einen lebendigen und lebensprägenden Glauben. Und er ist ein Beweis dafür, dass sich der Einsatz für eine Erneuerung des Glaubens lohnt. Durch Radikalität, Durchhalten, Mission. Schlüpfen wir in die Schuhe des Petrus Canisius!

Jakob Bürgler

 

Die Predigt finden Sie hier auch als PDF

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Msgr. Mag. Jakob Bürgler
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