Dem eigenen Gefühl glauben können


Impuls zum Evangelium der Mittwoch.Messe (Joh 20,24-29)

Dem eigenen Gefühl glauben können
Dominik Höchtl

„Selig, die nicht sehen und doch glauben." Ich finde diesen Satz provokant, ja ich merke, dass er mich ärgert! Was heißt er diesem Thomas gegenüber? Ist er unselig, weil er sehen möchte, ehe er glauben kann? Geht es nicht mir oft genug ähnlich? Dass ich zweifle, ob dieses oder jenes so richtig ist... ob mir mein Gefühl, das ich in mir habe, nicht doch etwas anderes sagt...

Ich stelle mir diesen Thomas vor: als jemanden, der auf der Suche ist, der hilflos geworden ist, nachdem Jesus, ein enger Freund, gestorben ist. Glauben möchte er bestimmt auch, ist er doch selbst einer der Zwölf. Gehört er doch ebenso zu dieser Jesus-Gemeinschaft, die miteinander so viel erlebt hat, die neuen Sinn und Antrieb in dieser Botschaft Jesu gefunden hat. Und doch, stelle ich mir vor, ist das bei Thomas nur noch so ein vages Gefühl vielleicht – von Angenommen-Sein in dieser Gemeinschaft. Aber genauso ein vages Gefühl von: Etwas fehlt mir noch, etwas stimmt nicht ganz für mich. Jesus ist tot, ist nicht mehr da und ich möchte diesen meinen Freund doch auch sehen können, spüren können – möchte eine Bestätigung von ihm.

Nicht nur Thomas geht es so, sondern auch allen anderen Aposteln: „Wir haben den Herrn gesehen!" rufen sie aus – auch sie brauchen dieses sehen, diese Bestätigung! Und brauchen sie nicht auch wir? Jesus sehen, spüren, wissen wollen – eine Bestätigung durch ihn.
Jesus lässt die Apostel nicht allein darin, denn: Es ist völlig okay, zu zweifeln, sehen und spüren zu wollen, Bestätigung zu wollen. Aber vielleicht gibt es einen großen Unterschied zwischen den Aposteln und uns: Wir haben Jesus nicht mehr erlebt, können ihn gar nicht vor uns sehen, wie ihn die Apostel vor sich gesehen haben, haben keine Erinnerung an ihn – und sollen doch glauben?

Vielleicht ist Jesu Satz genau das: Eine Bestätigung und Anerkennung für uns in unserer Situation heute.
Er sagt nicht: Zweifel macht nicht selig!
Er sagt: Dir, Thomas, kann ich mich schon zeigen; du hast mich auch selbst erlebt! Aber da sind so viele, denen ich mich nicht zeigen kann; die gewissermaßen nach ihrer eigenen Façon glücklich werden müssen. Sie haben nichts als so ein vages Gefühl wie du auch, vielleicht ein Gefühl von „Angenommen-Sein" irgendwo, ein Gefühl von „Irgendetwas fehlt" oder auch „etwas stimmt für mich nicht". Und hier muss sich ein Glaube / ein Vertrauen gründen, dass da, wo es sich gut anfühlt für mich, es auch richtig ist.

„Selig, die nicht sehen und doch glauben!" Vielleicht könnte man auch sagen: Chapeau!

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