Predigtgedanken zum Weltflüchtlingstag


Gedanken zum Weltflüchtlingstag von Sr. Notburga

Jes 21, 14-15
Bringt den Durstigen Wasser, ihr Bewohner der Gegend von Tema! Kommt den Fliehenden entgegen mit Brot! Denn sie sind vor den Schwertern geflohen, vor dem gezückten Schwert, vor dem gespannten Bogen, vor dem schweren Kampf.


Dtn 23, 16-17

Du sollst einen fremden Untertan, der vor seinem Herrn bei dir Schutz sucht, seinem Herrn nicht ausliefern.
Bei dir soll er wohnen dürfen, in deiner Mitte, in einem Ort, den er sich in einem deiner Stadtbereiche auswählt, wo es ihm gefällt. Du sollst ihn nicht ausbeuten.

 

Die Bilder stellt uns hier schöne Bilder vor. Dürstenden sollen wir Wasser geben und die Fliehenden mit Brot begrüßen, denn sie sind geflohen vor Gefahr und Kampf. Und ist das nicht etwas, das uns Menschen zutiefst entspricht – ist es nicht der erste Impuls, zu helfen, wenn Menschen in Not sind.
Dazu die Vorschrift aus dem Buch Deuteronomium, die wieder einmal aufzeigt, wie sozial die alttestamentliche Gesetzgebung war.

Sklaven waren Menschen, die keinerlei Rechte hatten, hier aber werden sie wie Menschen behandelt.
Es war üblich und wurde auch verlangt, dass geflüchtete Sklaven ausgeliefert werden, auch im Wissen, dass auf sie eine grausame Bestrafung – bis zur Todesstrafe wartet. Aber Gott verbietet das. Und nicht nur das, diesen Menschen soll eine neue Perspektive geschenkt werden. Und wie großzügig, sie dürfen frei wählen, wo sie wohnen wollen und sie dürfen nicht ausgebeutet werden.
In Leviticus geht er noch weiter, wenn dort steht, die Fremden, die sich bei euch aufhalten, sollt ihr lieben wie euch selbst. Mit dem Zusatz: Ihr seid ja selber Fremde gewesen. Ihr wisst, wie das ist, also handelt jetzt entsprechend.

Das sind Jahrtausendealte Texte und sind doch so hochaktuell.

Es ist so traurig, dass heute, genau das Gegenteil passiert.
Statt den Durstigen Wasser zu geben, werden sie zusammengetrieben und in der nordafrikanischen Wüste ohne Wasser ausgesetzt, damit sie nie die Küste erreichen. Und das geschieht mit der Billigung der EU und wird finanziert mit unseren Steuergeldern.
Statt ihnen Brot zu geben, verwehrt man ihnen sogar die Nahrungsmittelzuteilungen. Doro Blancke versorgt wöchentlich 200 besonders bedürftige Flüchtlinge in Griechenland mit Nahrungsmittelpaketen, die ihnen wenigstens eine Mahlzeit am Tag ermöglichen.

 

Statt Geflüchtete vor Ausbeutung zu schützen, geht die Tür zur Arbeitsausbeutung sehr schnell auf, so schreibt die Migrationsforscherin Judith Kohlenberger.
Statt Geflüchteten Schutz zu gewähren und ihnen eine neue Perspektive zu geben, werden sie Opfer von Pushbacks, die immer grausamer werden – oder sie werden abgeschoben in Länder, in denen ihnen Folter, Tod und Sklaverei drohen.
Die Vorgehensweise wird immer restriktiver, am besten ist es, niemand ins Land lassen. Die Not soll außerhalb unserer Grenzen bleiben. Wir selbst haben das Recht auf Sicherheit und Wohlstand, ja sogar auf Überfluss – von allem zu viel, das steht uns zu. Die anderen stehen wir diese Rechte nicht zu, das kann es einfach nicht sein.

 

Die EU Verhandlungen über den Umgang mit geflüchteten Menschen, können uns an die Konferenz im Juli 1938 in einem Nobelhotel am Genfer See erinnern. Vertreter von 32 Staaten kamen dort zusammen. Es ging um die Aufnahme von 550 000 Juden aus Deutschland und Österreich, die auswandern wollten.
Es gab viele schöne Reden, das Schicksal der Menschen wurde beklagt – aber niemand wollte sie haben, sie wurden als Belastung empfunden. Ein hochrangiger kanadischer Einwanderungsbeamter brachte es auf den Punkt: Keiner ist schon zu viel. Das lässt sich an Zynismus kaum überbieten und könnte auch von einem Politiker von heute stammen.
Ein Jahr nach dieser Konferenz fuhr die St. Louis, ein Schiff mit über 900 Juden Richtung Amerika – sie wurden bis auf einige wenige – abgewiesen. Zum Teil standen ihre Verwandten im Hafen und wollten sie abholen. Aber das Schiff musste zurück nach Europa. Das kann man sich fast nicht vorstellen. Und auf viele wartete dann das KZ. Und so ging es mehreren Auswandererschiffen.
Diese Nichtbereitschaft der Länder zog den Tod vieler Menschen nach sich. 6 Mill. ermordete Juden, das ist eine erschreckende Zahl. Aber wenn wir nachforschen würden, wie viele nicht hätten sterben müssen, wenn Länder bereit gewesen wären, sie aufzunehmen – käme wohl auch eine erschreckende Zahl heraus. Wer hat Anne Frank getötet? Die Nazis – stimmt. Aber ihr Vater hat verzweifelt versucht, eine Einreisebewilligung zu bekommen um seine Familie zu retten. Aber kein Land war bereit. Da gibt es auch noch andere Verantwortlichkeiten.
Und heute?
Und wie viele Geflüchteten sind in den letzten Jahren auf dem Weg nach Europa umgekommen, die nicht hätten sterben müssen, wenn es legale Wege geben würde und die Staaten sich an das Völkerrecht halten würden.
Wie viele Menschen wurden abgeschoben, denen in ihrem Heimatland Verfolgung drohte?

 

Die Bibel zeigt uns ein Bild für solidarisches Miteinander und wir müssen uns fragen:
In welchem Europa möchten wir leben?
In einem Europa, wo durstige Menschen Wasser bekommen und hungrige Brot.
In einem Europa, das Menschen Schutz gewährt, die in Gefahr sind.
Oder wollen wir in einem Europa leben, das zur Abschottung Mauern aus Leichen baut
und die Grenzen mit Friedhöfen säumt,
in einem Europa, in denen es keine Bereitschaft gibt, Menschen in Not zu helfen.
Das müssen wir nicht nur ihretwegen fragen, sondern auch unsretwegen.
Die kalte Welt, die wir schaffen – in der werden wir auch selber leben müssen.
Die Bibel weist uns immer Wege zum Heil, diese Unmenschlichkeit führt uns aber auf Wege des Unheils:

 

Käpten Gustav Schröder, der Kapitän der St. Louis hat alles versucht, die Juden auf seinem Schiff zu retten. Dass es ihm nicht gelungen ist, hat ihn ein Leben lang beschäftigt und er schreibt:

"Niemals möge die Mahnung vergessen werden, die das tragische Schicksal der schwergeprüften Passagiere für die gesamte Menschheit bedeutet: damit sich Grausamkeit und Unmenschlichkeit nie wieder breitmachen können."

Und jetzt macht sich die Unmenschlichkeit wieder breit und deshalb sind wir heute da, um dagegen anzubeten.

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