Mit dem Evangelium auf dem Weg


Für die Weggemeinschaften und das persönliche Nachdenken daheim finden Sie hier die Hinführung zum Evangelium vom 14. Sonntag im Jahreskreis

14. Sonntag im Jahreskreis (C), 03.07.2022, Lk 10,1-9, Hinführung
Jozef Niewiadomski, emeritierter Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät Innsbruck

Jesus verstand sich als „Gesandter" des Vaters (vgl. Lk 10,16). Deswegen sandte er selber zwölf Jünger aus (vgl. Lk 9,1-6). Und gleich drauf vergrößerte er die Zahl der „Gesendeten": „Zweiundsiebzig" sollten genau dasselbe tun und reden (Lk 10,1-10), was schon die Aufgabe der Zwölf, was auch seine eigene Aufgabe war. Mehr noch: sie selber sollen permanent den „Herrn der Ernte" bitten, noch mehr Arbeiter zu senden (Lk 10.2). Die Dynamik des Evangeliums scheint nur diese eine Richtung der Ausweitung der Sendung/der Mission zu kennen. Es ist dies also nicht der uns allen so vertraute, erstarrte Blick des Kaninchens vor der „Schlange soziologischer Prognosen", die scheinbar auch nur eine Richtung kennt: „Ihr werdet immer weniger!" Die Prognose des Evangeliums hat den gesamten Erdkreis im Blick. Warum aber dies? Schon deswegen, weil die Quelle, aus der dieses Bewusstsein des Gesandtseins entspringt, der göttliche Vater selber ist. In seiner bedingungslosen und alle seine Geschöpfe umfassenden Liebe! Deswegen ist auch derjenige, der seit Ewigkeit als Sohn geliebt wird, der erste der Gesandten. Diejenigen aber, die ihn als ihren Bruder erkannt und zu lieben gelernt haben, folgen ihm als Gesandte nach. Und dies nicht primär deswegen um als „Berufschristen" Ämter und Privilegien zu erkämpfen. Vielmehr um an seiner Liebe Anteil habend, dieser Liebe zur greifbaren Gestalt zu verhelfen. Weltweit. Doch gibt es diese Liebe niemals ohne das Geschick, das den Geliebten und Liebenden widerfährt. Es kann den Gesendeten also so ergehen, wie es den Lämmern (so die präzise Übersetzung von Lk 10,3) unter den Wölfen ergeht. Sie sollen zwar von der Liebe des Vaters erzählen, bei den Menschen auch bleiben, mit ihnen essen, sich um die Kranken kümmern (das griechische Zeitwort im Lk 10,9 heißt „therapeuo", was zuerst mehr die Sorge um den Kranken, als dessen Heilung bedeutet). Sie sollen sich aber auch dessen bewusst sein, dass sie auf Granit beißen werden. Doch selbst dann, wenn sie auf Konfrontation gehen, oder sich zurückziehen (Lk 10,10), sollen sie das „Geschick des Lammes", nicht aber die sprichwörtliche – das „Berufskaninchen" lähmende – Schlange vor Augen haben. Abgelehnt, gar verfolgt und getötet, nahm der vom Vater gesandte Sohn „die Sünde der Welt hinweg". Der gesamte Erdkreis kommt also im Evangelium deswegen in den Blick, weil überall auf der Welt das Drama der nicht erwiderten Liebe präsent ist. Die nicht erwiderte Liebe des Vaters zieht sich eben nicht zurück, geschweige denn, dass sie in Rache umschlägt. Vielmehr lässt sie sich radikal auf die Verweigerer ein, riskiert gar den eigenen Tod, um die Verweigerer so in der göttlichen Liebe zu beheimaten. Es ist also konsequent, wenn der Evangelist Lukas (als einziger der Evangelisten), die Vergebungsbitte Jesu am Kreuz überliefert: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Lk 23,34).

Fragen zum Weiterdenken:
• Wie gelingt es mir, die unsere Kirchlichkeit lähmende Perspektive der „Berufschristen" zu meiden, zu überwinden, gar zu transformieren?
• Wie oft vergewissere ich mich darüber, dass die Quelle meiner Sendung die bedingungslose Liebe des Vaters ist?


Hinführungen der Weggemeinschaften - ein Projekt der Missionarischen Pastoral der Diözese Innsbruck

Wer die Hinführung wöchentlich per email als pdf zugeschickt bekommen möchte, melde sich bei martin.lesky@dibk.at

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