Eine große Ernte


Zum Glauben gehört die "Sendung": Zu den Menschen gehen, um ihnen den Schatz des Evangeliums zu bringen. Gedanken von Bischofsvikar Jakob Bürgler zum Auftrag der Kirche lesen Sie im Link.

14. Sonntag im Jahreskreis
3. Juli 2022
Johanneskirche

Das heutige Evangelium würde Inhalt für ganz viele Predigten geben. Miteinander unterwegs sein. Mit einem leichten Marschgepäck. Sich nicht von Misserfolg und Ablehnung lähmen lassen. Den guten Geist bewahren. Überall den Frieden bringen und heilen. Und noch viel mehr. Ich möchte mich auf drei Gedanken beschränken, dazu drei Sätze aus dem Evangelium herausgreifen und sie ein wenig vertiefen.

„Die Ernte ist groß..." (Lk 10,2)
Die Ernte ist groß... Wenn man bedenkt, dass immer weniger Leute Interesse an der Kirche haben, dass die Zahlen deutlich sinken, dass es gar nicht leicht ist, mit jungen Leuten über den Glauben ins Gespräch zu kommen und dass uns die Weitergabe des Glaubens kaum gelingt: Ist da die Ernte nicht eher klein und sehr bescheiden?
Aber: Ich erlebe in letzter Zeit ein eher größeres Interesse an Fragen der Spiritualität und der Suche nach Orientierung. Wo finde ich eine Quelle, die mir innere Ruhe schenkt, Gelassenheit, Stärke? Was lässt mich schwierige Phasen im Leben durch-stehen? Was stärkt meine Konzentration und meine Aufmerksamkeit? Wo kann ich mich festhalten? Welche Werte sind so wichtig, dass es sich lohnt, dafür zu leben? Nicht umsonst sprießen überall Yoga-Kurse aus dem Boden, werden unzählige Medi-tationskurse angeboten, boomen Selbsterfahrungsseminare. Und von daher sage ich: Die Ernte ist wirklich groß. Es ist nur schwer, als Kirche den richtigen Weg zu finden, um bei den Fragen der Menschen anzudocken.

„Geht! Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe." (Lk 10,3)
Schon das erste Wort ist wichtig: „Geht!" Bleibt nicht stehen und noch weniger sitzen. Macht euch auf den Weg! Geht zu den Menschen! Schaut, dass ihr in einer frischen und lebendigen Dynamik bleibt. Durchbrecht eure eigene Welt. Schaut, wo die anderen sind. Es ist wichtig, in die Ungesichertheit zu gehen, nicht in den eigenen sicheren vier Wänden zu bleiben. Bei allem Bedürfnis an Sicherheit und Heimat.
Die einzige Möglichkeit, eine müde gewordene Kirche wieder in Schwung zu bringen, ist zu gehen, aufzubrechen. Papst Franziskus hat vor kurzem zu Jugendlichen gesagt: Seid keine Couch-Potatoes! Wenn wir wollen, dass die Unipfarre ein lebendiger Ort ist, dann müssen wir die Beine in die Hand nehmen und gehen. Eine gute Frage für jeden und jede von uns: Wie schaut das bei mir aus?
Und: Im Namen Jesu unterwegs zu sein ist durchaus gefährlich. Da gibt es Wölfe. Situationen, die Mut brauchen und Entschiedenheit und Einsatz. Situationen, die einen mit Ablehnung, Kränkung, Enttäuschung, Frust, Erfolglosigkeit konfrontieren. Mit Widerstand, Gegnerschaft, Mühe und Belastung ist zu rechnen.
Auch vom Inhalt des Glaubens her: „Es ist unmöglich, die Fackel der Wahrheit durchs Gedränge zu tragen, ohne jemanden den Bart zu versengen." (Georg Christoph Lichtenberg)

„Doch freut euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind." (Lk 10,20)
Die 72 kehren zurück und sind ganz angetan von dem, was ihnen gelungen ist. Was sie erlebt haben. Was weitergegangen ist. Wo sie dem Bösen den Garaus gemacht haben. Sie hatten Erfolg, großen Erfolg. Jeder und jede hat gerne Erfolg. Aber: Was ist Erfolg? Wie wichtig sind Zahlen und Rankings und Vergleiche?
Um was geht es Jesus und denen, die Jesus aussendet? Es geht um das Evangelium und um das Reich Gottes. Nicht die Arbeiter stehen im Mittelpunkt, nicht das „Bodenpersonal", auch nicht die Kirche.
Ich habe das in Taizé gelernt. Die Brüder von Taizé könnten stolz sein auf das, was ihnen gelingt, wie viele junge Leute auf den kleinen Hügel im Burgund kommen, welch positiven Namen sie auf allen Kontinenten haben. Weltlich gesprochen könnte man sagen: Eine Erfolgsgeschichte. Aber um das geht es nicht. Es geht darum, dass Je-sus Christus erkannt wird, erlebt und erfahren. Dass junge Leute einen Sinn im Leben finden und neue Freude. Dass sie darum wissen, wie sehr ihr Leben Gott am Herzen liegt. Das müssen wir als Kirche wieder neu lernen: Dass wir da sind, ganz da, ganz präsent, bereit, alles zu geben, und gleichzeitig uns zurückziehen, den Platz in der Mitte freimachen, damit Jesus, der Herr, wirken kann.

Drei Sätze, drei Gedanken. Die Ernte ist groß. Die Augen aufmachen. Geht! Wo muss ich einen Schritt tun? Wie die Zone der Sicherheit verlassen? Und: Sich freuen über den Himmel. Nicht Buchhalter sein, sondern Wegweiser.

Jakob Bürgler

Die Predigt finden Sie hier auch als PDF.

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