WWW. Weisheit. Weg. Werbung.


Bischofsvikar und Universitätspfarrer Jakob Bürgler hat in seiner Predigt zum Semesterbeginn drei Wegmarkierungen beschrieben: Weisheit. Weg. Werbung. Die Predigt finden Sie im Link.

28. Sonntag im Jahreskreis / 10. Oktober 2021
Jesuitenkirche
Eröffnungsgottesdienst der Universitäten und Hochschulen

Da stehen wir nun. Am Beginn eines Weges. Jeder und jede von uns. Das neue Semester beginnt. Und damit auch ein Weg. Wir haben Vorstellungen, Erwartungen, vielleicht Sorgen, sicher Träume. Aber wir kennen den Weg nicht. Auch unser Team in der Unipfarre beginnt einen Weg, einen neuen Weg. Wohin wird er uns führen? Welche Erfahrungen werden mir machen? Wird der Weg gelingen? Es ist gut, auf einem Weg nicht einfach so dahin zu tappen, sondern sich auszurichten, sich zu orientieren, sich ein Geleit geben zu lassen – durch Worte, die begleiten, die Mut machen, die uns helfen. Und so schauen wir auf die biblischen Lesungen dieses Sonntags und fragen uns: Was können sie uns mitgeben? Wie uns ausrichten? Dazu drei Worte: Weisheit. Wort. Werbung. WWW – einfach zu merken. Weisheit. Wort. Werbung.

Weisheit
„Einen unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr nicht gleich; denn alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand und Silber gilt ihr gegenüber so viel wie Lehm." (Weish 7,9) Die Weisheit: So kostbar ist sie.
Vor einigen Jahren habe ich in Finnland einen Tag beim Goldwaschen verbracht. Unvergesslich. Überall Steine und Sand, Geröll und Erde. Wir haben geschöpft und volle Eimer geschleppt, gewaschen und gesiebt, viele Stunden lang. Das Ergebnis: Auf der einen Seite eine Unmenge Material, auf der anderen Seite ein kleines bisschen Gold. Und trotzdem: Wir waren überglücklich, im sandigen Rest ein paar wenige, hauchdünne Goldpartikel zu finden. Und jetzt die Aussage der Bibel: Die Weisheit ist noch viel kostbarer als Gold. Sie ist noch viel mehr wert! „Alles Gold erscheint neben ihr wie ein wenig Sand."
Ein neues Semester beginnt. Und damit auch: Lernen, Wissen sammeln, Bücher und Skripten pauken, möglichst alles im Kopf bewahren. Das gehört zum Studium: Sich viel Wissen aneignen, um mit Kompetenz und Fachwissen den Aufgaben und Herausforderungen des Berufs gewachsen zu sein. Und jetzt die Weisheit. Weisheit ist nicht deckungsgleich mit Wissen. Weisheit wurzelt tiefer. Ich kenne viele sehr einfache Leute, die weise sind, auch wenn sie keine Gelehrten sind und keinen akademischen Grad erlangt haben. Sie verstehen etwas vom Leben. Sie haben wachsame und tiefgründige Augen. Sie können einen guten Rat geben. Es ist wichtig, nicht nur beim Wissen zu wachsen, sondern auch in der Weisheit. Bitten wir um diese Weisheit von oben. Bitten wir darum, in diesem Semester in der Tiefe des Lebens zu wachsen. Unsere Gesellschaft braucht dringend lebens-weise Menschen.

Wort
Zur Weisheit gesellt sich das Wort. „Lebendig ist das Wort Gottes... es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens..." (Hebr 4,12) Wenn wir an „richten" denken, dann denken wir oft nur an urteilen, verurteilen, strafen. Und wir verbinden damit eine Autorität, die wertet und uns bewertet und manchmal auch unfrei macht. Aber „richten" meint auch „aufrichten" oder „ausrichten." „Lebendig ist das Wort Gottes... es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens." Das Wort Gottes will zu einem guten und gelingenden Leben verhelfen. Was ist Richtschnur in meinem Leben? Welche Maßstäbe lege ich an? An was orientieren wir uns schlussendlich? Auch wenn wir noch so viel studiert und gelernt haben: Wir können nicht alles durchschauen, nicht alles richtig bewerten. Die Wirklichkeit übersteigt und überfordert uns. Wir brauchen Hilfe. Hilfe „von außen". Wir brauchen Leitplanken, Orientierungspunkte, vergleichbar mit reflektierenden Strahlern auf nächtlicher Straße. Die Bibel, die heiligen Schriften, Gottes Wort, Jesu Wort: Sie richten aus und geben Orientierung. Sie helfen dabei, zu unterscheiden, zu durchschauen, richtig einzuschätzen, das Gute zu tun. Deshalb ist dieses Wort lebendig, und es ist gut, es immer wieder in die Hand zu nehmen. Mit dem Wort Gottes ist es wie mit dem Erlernen eines Instrumentes oder eines Sports: Erst, wenn ich beginne und mich einlasse, beginne ich zu entdecken und Freude daran zu finden. Wenn ich schwimmen lernen will, muss ich ins Wasser steigen. Deshalb die Einladung für die kommende Zeit: Die Bibel zur Hand zu nehmen.

Werbung
Weisheit und Wort, und dazu Werbung. Ein eigenartiges Wort. Es passt irgendwie nicht dazu. Aber schauen wir auf das, was im Evangelium erzählt wird und passiert. Ein Mann kommt auf Jesus zu. Er stellt ihm eine Frage: Wie das ewige Leben erben? Man könnte auch übersetzen: Wie ein gelingendes und heiles Leben finden? Und dann heißt es: „Dieser Mann hatte ein großes Vermögen." Er ist so reich, dass er alles das schon hat, was andere sich eventuell wünschen. Er ist abgesichert, hat keine Sorgen. Er lebt genügsam in seiner „Blase", schaut nicht über den Tellerrand. Hauptsache, das eigene System ist stabil. Jesus will, dass dieser Mann weiterkommt, dass er sich entwickelt, dass er wächst, dass er nicht bei seinem Leistungsdenken bleibt, nicht dort, wo er gerade ist, stecken bleibt. Jesus will, dass etwas weitergeht. Dass sich mehr entwickelt. Deshalb macht er Werbung für „mehr": Du sollst nicht das Gute, sondern das Bessere wählen! Sicher: Dieser Mann ist ein guter Mensch. Aber er kann noch gewinnen. Wenn er noch mehr vom Leben haben will, muss er die Grenzen seines Denkens und seiner Lebenseinstellung verlassen. Wer reicher als reich sein will, muss umdenken. Jesus umarmt den Mann, zeigt ihm seine Zuneigung, seine Barmherzigkeit, seine Liebe. Er will leibhaft spürbar machen: Schau auf das, was du gewinnen kannst! Entdecke den Schatz, der dir noch verborgen ist. Das will der Glaube: Weiterführen, ein Mehr im Leben entdecken lassen, einen Schatz vor Augen führen. Und dafür gilt es, Werbung zu machen. Und das wollen wir in der Unipfarre. Als Team, gemeinsam mit allen, die mittragen und den Schatz schon entdeckt haben. Nicht nur ein cooles Programm erstellen, sondern zu mehr Leben beitragen und helfen.

WWW. Weisheit. Wort. Werbung. Wir beginnen ein neues Semester. Wir beginnen einen Weg. Gott möge uns segnen und begleiten.

Jakob Bürgler

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Diözese Innsbruck
Msgr. Mag. Jakob Bürgler
Bischofsvikar für missionarische Pastoral
Domplatz 2
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